Ein Aufwachsen in Armut beeinträchtigt den objektiven und subjektiven Gesundheitszustand schon im frühkindlichen Alter. Das kann zu lebenslangen Folgewirkungen und Herausforderungen führen.
KINDERARMUT IN ÖSTERREICH
Die Zahlen aus der Europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) zeigen: Nach wie vor ist mehr als jedes fünfte Kind in Österreich von Armut oder Ausgrenzung betroffen. Laut der Erhebung sind 17,7% der Gesamtbevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Konkret sind das 1.592.000 Menschen, davon 376.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (Statistik Austria 2024). Dies entspricht 23% aller 1,6 Millionen Kinder in Österreich. Somit haben Kinder im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein ungleich höheres Risiko von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen zu sein. Des Weiteren leben mehr als 140.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in materieller und sozialer Deprivation, also in einem Haushalt, für den wichtige Güter des täglichen Bedarfs nicht leistbar sind (Statistik Austria 2024). Als erheblich materiell und sozial depriviert gilt, wer sich mindestens sieben von 13 Grundbedürfnisse auf Haushalts- beziehungsweise individueller Ebene nicht leisten kann.
Unter anderem werden hier folgende Grundbedürfnisse abgefragt:
84.000 Kinder und Jugendliche leben in Haushalten, die es sich nicht leisten können, jeden 2. Tag Fleisch, Fisch oder eine vergleichbare vegetarische Speise zu essen.
75.000 Kinder und Jugendliche wohnen in Haushalten, die ihre Wohnung nicht angemessen warm halten können.
379.000 leben in einem Haushalt, der es sich nicht leisten kann, zumindest einmal im Jahr Urlaub zu machen.
176.000 leben in Familien, die mit Zahlungen im Rückstand sind. Auch die Wohnbedingungen führen zu verschiedenen Benachteiligungen von armuts- betroffenen Kindern und Jugendlichen. Denn sie wirken sich beispielsweise auf die Bereiche Gesundheit oder Bildung aus.
So haben etwa Kälte oder Nässe in der eigenen Wohnung einen negativen Effekt auf den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden. Außerdem ist es besonders für Schüler*innen wichtig, zu Hause über einen Ort zu verfügen, an dem in Ruhe gelernt und Hausaufgaben gemacht werden können. Doch das fehlt bei Haushalten mit geringem Einkommen häufig, wie Zahlen der Statistik Austria zeigen (Statistik Austria 2024).
2023 lebten 239.000 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren in überbelegten Wohnverhältnissen. 221.000 Kinder in feuchten, von Schimmel betroffenen Wohnungen. 306.000 lebten in lauten und 130.000 Kinder in dunklen Wohnverhältnissen.
135.000 waren in ihrer Wohnumgebung Luft- und Umweltverschmutzung ausgesetzt.
Sozioökonomische Benachteiligung und Armut im Kindesalter wirken sich auch im Erwachsenenalter noch negativ auf Beschäftigungschancen, das Einkommen und auch auf den Gesundheitszustand aus. Dies führt dazu, dass aufgrund von Kinderarmut dem österreichischen Staat aufgrund von erhöhten Gesundheitskosten und entgangenen Steuereinnahmen jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von 3,6% des BIPs entsteht, was 2023 17,2 Mrd. Euro entsprach (OECD 2023, 49, 58). Kinderarmut zu bekämpfen und Kindergesundheit zu verbessern und zu fördern ist somit nicht nur aus moralischer, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive erstrebenswert und sinnvoll.
WEITERLESEN:


